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Übersicht: Handschuhe für Taucher

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Übersicht. Handschuhe für Taucher

Ein Thema, mit dem sich jeder Taucher, der in kalten Gewässern taucht, sicherlich schon auseinander gesetzt hat, ist die Frage nach den richtigen Handschuhen. Wenn man die Handschuhe grob unterteilen möchte, so gibt es Nass- und Trockentauchhandschuhe. Wenn man nun aber ins Detail geht, gibt es doch sehr viele Unterschiede … auch innerhalb einer “Handschuh-Familie”. Der folgende Artikel soll hier eine kleine Übersicht bieten:

Nass, halbtrocken oder trocken

Was klingt wie die Frage in einem Fachgeschäft für Weine (ok, nach nass wurde noch nicht gefragt), ist die grobe Untergliederung der Handschuhtypen, die man aktuell in einem gut sortierten Tauchgeschäft bekommt. Die einzelnen Typen unterscheiden sich wie folgt:

  • Nass-Handschuhe: Dieser Handschuhtyp besteht meist aus Neopren. Nasshandschuhe sind eher für warme Gewässer geeignet. Zum einen ist die Materialstärke meist sehr dünn (3 mm oder 5 mm), zum Anderen haben Sie keinerlei spezielle Materialien an den Handgelenken, die das Eindringen von Wasser erschweren können.
  • Halbtrocken-Handschuhe: Diese Art von Handschuhen besteht ebenfalls aus Neopren. Im Gegensatz zum erst genannten Typ sind sie aber meist dicker (> 5 mm) und haben spezielle Materialien an den Handgelenken verarbeitet, die das Eindringen von Wasser erschweren sollen. Zum Beispiel wird hier mit Glatthautneopren gearbeitet, das auf einer Manschetten eines Trockentauchanzugs sehr dicht abschließen soll. Ebenfalls sind bei Halbtrocken-Handschuhen die Nähte so bearbeitet, dass ein Eindringen von Wasser über die Nähte verhindert wird.
  • Trocken-Handschuhe: Trockentauchhandschuhe sind speziell für Taucher, die einen Trockentauchanzug tauchen. Die Handschuhe sind wasserdicht – hier gibt es sowohl Modelle aus komprimiertem Neopren als auch aus speziellen, wasserdichten Materialien. Diese Handschuhe haben eine sehr geringe Eigenisolation (abgesehen von den compressed Neopren Modellen), daher trägt man unter ihnen noch Unterzieh-Handschuhe. Diese sind meist aus Fleece o.Ä. gearbeitet.

Da Ihr nun eine erste allgemeine Übersicht habt, möchte ich Euch im Folgenden noch ein paar mehr Details vorstellen:


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Nass- und Halbtrocken-Tauchhandschuhe

Bei den Nass- und Halbtrocken-Handschuhen gibt es, wie oben schon erwähnt, ein paar Unterscheide was die Möglichkeit betrifft Wasser daran zu hindern in den Handschuh zu gelangen. Neben versiegelten Nähten, versuchen die Hersteller auch immer wieder bessere “Barrieren” im Bereich der Handgelenke in die Handschuhe zu integrieren. Genau an dieser Stelle liegt nämlich der größte Schwachpunkt der Handschuhe, über den am meisten Wasser eindringen kann. An drei Handschuhtypen möchte ich Euch eine kleine Übersicht geben:

Nasshandschuh ohne spezielle Manschette

Nass-Tauchhandschuhe ohne spezielle Manschette (hier am Beispiel der Camaro Seamless Bonding Handschuhe)

Beginnen möchte ich mit einem Nasshandschuh, der keine spezielle Manschette im Inneren besitzt (hier am Beispiel eines Camaro Seamless Bonding, älteres Modell).

Das heißt, im Bereich der Handgelenke liegt nur das Neopren der Handschuhe auf der Haut oder auf der Manschette des Tauchanzugs auf. Das heißt, dass Wasser nur über die gute Passform der Handschuhe davon abgehalten wird ins Innere zu fließen.

Je nachdem wie gut die Passform ist, fließt mehr oder weniger Wasser in den Handschuh. Ich kenne Taucher, die diese Handschuhe auch im Winter tauchen. Für mich sind sie aber nur etwas für den Sommer, mit angenehmen Wassertemperaturen.

Der Vorteil der Handschuhe ist, dass man sie leicht anziehen kann, ohne eine spezielle Manschette richten zu müssen.

Handschuhe mit einer eigenen Manschette

Handschuh mit einer eignen, separaten Glatthaut-Neopren-Manschette im Inneren (hier am Beispiel der Scubapro K-Grip semi dry)

Ein weiteres Modell, dass in den Bereich “halbtrocken” gehört, ist ein Handschuh der eine separate, innen liegende Manschette aus Glatthautneopren hat (hier am Beispiel der Scubapro K-Grip semi dry Handschuhe).

Diese Manschette klappt man nach dem Anziehen der Handschuhe nach innen ein. Dadurch liegt das Glatthaut-Neopren direkt auf der Manschette des Tauchanzugs oder der Haut auf, und verringert somit ein Einfließen von Wasser in den Handschuh.

Der kleine Nachteil dieser Handschuhe ist, dass man beim Anziehen ein bisschen Fummelei mit den Manschetten hat. Das Umklappen ist etwas schwierig (vor allem wenn man schon einen Handschuh an hat), kann aber mit ein wenig Übung erleichtert werden.

Der Vorteil dieses Systems ist, dass durch die spezielle Manschette deutlich weniger Wasser in den Handschuh fließt.

Handschuhe mit einer Glatthaut-Innenseite

Handschuhe mit einer Innenseite aus Glatthaut-Neopren im Bereich der Handgelenke (hier am Beispiel der Scubapro Everflex Handschuhe)

Das dritte Modell, dass ich Euch vorstellen möchte, ist ein Handschuh, der im Bereich der Handgelenke auf der Innenseite eine Schicht Glatthaut-Neopren spendiert bekommen hat (hier am Beispiel der Scubapro Everflex Handschuhe).

Im Gegensatz zum Modell mit einer eigenen Manschette, entfällt hier die Fummelei beim Anziehen.

Das Glatthaut-Neopren liegt nach dem Anziehen auf der Manschetten des Trockentauchanzugs auf, und dichtet somit recht gut gegen eindringendes Wasser ab. Der Nachteil der Handschuhe ist, dass wenn sie im Bereich der Handgelenke nicht optimal passen, bei Bewegungen der Hand Wasser einlaufen lassen, da sich das Material dann unter Umständen von der Trockimanschette abhebt.


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Wie isolieren Neopren-Tauchhandschuhe?

Die oben gezeigten Handschuhe sind alle aus Neopren gefertigt. Das heißt, sie isolieren im Prinzip genau so wie ein Neoprenanzug. Zum einen über die Dicke des Materials und zum anderen über die dünne Wasserschicht, die sich zwischen Neopren und Haut ansammelt und durch die Körperwärme erwärmt wird.

Dazu kommen dann eben noch Material- und Verarbeitungsdetails, die den Wasserdurchfluss in den Handschuhen versuchen so gering als möglich zu halten. Sei es durch speziell versiegelte Nähte oder spezielle Manschetten, im Bereich der Handgelenke.

Trockentauchhandschuhe

Neben den oben beschriebenen Handschuhen gibt es auch noch die so genannten Trockentauchhandschuhe. Diese sind, wie der Name schon erahnen lässt, wasserdicht. Somit bleiben die Hände während des Tauchens trocken.

Auch hier gibt es wieder unterschiedliche Systeme, die ich kurz vorstellen möchte:

  • Trockentauchhandschuhe ohne Manschetten- oder Ringsystem: Diese Handschuhe besitzen im Bereich des Handgelenks eine eigene Manschette, ähnlich wie man sie von den Armmanschetten von Trockentauchanzügen kennt. Beim Anziehen legt man einfach die Handschuhmanschette plan auf die Manschette des Anzugs und schon dichtet das Sytsem ab.
  • Trockenhandschuhe mit separatem Ringsystem: Das nächste Modell sind Handschuhe, die über spezielle Adapter am Trockentauchanzug befestigt werden. Diese Systeme kann man auch noch im Nachhinein an einen Trockentauchanzug montieren. Die gängige Variante sind ein Plastikring am Trockentauchanzug und einer am Handschuh, die dann, z.b. über drehen, aneinander befestigt werden (ein System als Beispiel sind die Handschuhe von Rolock)
  • Trockentauchhandschuhe für Manschettensysteme: Viele Hersteller kommen mittlerweile mit Manschettensystemen auf den Markt, die es erlauben, die Manschetten eines Trockentauchanzugs schnell und einfach zu tauschen. An diese Manschettensystem kann man wahlweise auch Handschuhe befestigen (z.B. die DUI Zip Seals).

Da es hier mittlerweile sehr viele unterschiedliche Systeme gibt, kann ich leider nicht alle vorstellen. Im Moment sind die Manschettensysteme sehr im Kommen, bei denen man sowohl eine Manschette als auch einen Handschuh befestigen kann. Der Vorteil ist, dass diese Ringsysteme recht flexibel sind. Von früheren Systemen kennt man noch die großen schwarzen Ringe, die den Handschuh am Anzug befestig haben, diese starren Systeme werden so nach und nach ersetzt.

Wenn Ihr auf der Suche nach einer Übersicht von Trockentauchhandschuh-Systemen seid, kann ich Euch den Artikel von Michael, von der Dive Base U-96, nur ans Herz legen. Vergleich Trockentauchhandschuhe

Ein Trockentauchhandschuhsystem, das völlig ohne Ringe auskommt, habe ich hier auf dem Blog auch schon vorgestellt. Den Artikel dazu findet Ihr hier: Nordic Blue Trockentauchhandschuhe


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Wie isolieren Trockentauchhandschuhe?

Im Gegensatz zu Nass- oder Halbtrocken-Handschuhen bleiben Trockentauchhandschuhe völlig trocken im Inneren (naheliegend, oder?!). Es gibt Trockentauchhandschuhe sowohl als Crushed Neopren Handschuhe (hier wurde das Neopren bei der Herstellung unter Druck gesetzt, wodurch es einiges an der im Neopren eingeschlossenen Luft verloren hat) als auch als Handschuhe aus einem speziellen wasserdichten Material. Diese Handschuhe erinnern sehr stark an Putzhandschuhe und kommen zum Teil aus dem Arbeitsschutz.

Da die Handschuhe nur aus einem sehr dünnen Material bestehen, erfolgt die Isolierung ausschließlich über die Handschuhe, die man darunter trägt. Hier kommen meist Handschuhe aus Fleece zum Einsatz. Je nach Einsatzgebiet kann man hier die Dicke der Handschuhe variieren.

Wichtig bei Trockentauchhandschuhen ist, dass sie belüftet werden können. Sprich, wenn man Gas in den Trockentauchanzug gibt, müssen auch die Handschuhe belüftet werden! Dies erfolgt entweder über die Unterzieherhandschuhe oder über Röhrchen, die unter der Manschette des Anzugs liegen. Hat man diese Verbindung nicht, dann wird die Luft in den Handschuhen beim Abtauchen so weit komprimiert, dass es entweder schmerzt, oder man die Hände kaum noch bewegen kann. Isolation geht dadurch ebenfalls verloren!

Welche Handschuhe?

Welche Handschuhe Ihr nun taucht, hängt ganz davon ab, wo Ihr die Handschuhe zum Tauchen dabei habt. In sehr kalten Gewässern oder bei sehr langen Tauchgängen in eher kühleren Gefilden, bieten sich sicherlich die Trockentauchhandschuhe an.

Wobei es auch viele Taucher gibt, die im Winter mit Halbtrocken-Handschuhen tauchen gehen. Hier muss aber die Gesamtisolationsstrategie passen! Ansonsten hat man sehr schnell kalte Finger!

Im nächsten Artikel der Miniserie zu Handschuhen für Taucher erwartet Euch ein Testbericht über ein Manschettensystem, das ideal die Halbtrockenhandschuhe mit dem eingearbeiteten Glatthaut-Neopren am Handgelenk ergänzt!

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3 Kommentare

  1. Wieder ein sehr gelungener Artikel!
    Ich habe leider nur die Möglichkeit mit Trockenhandschuhen zu tauchen, da mir bei halbtrockenen und nassen Handschuhen bei Bewegungen des Handgelenks immer Wasser in die Trockimanschette kommt. Die Manschette sitzt schon so stramm wie möglich aber bei Bewegungen heben die Sehnen die Manschette an. Eigentlich wären mir Nasshandschuhe aufgrund der Bewegungsfreiheit lieber aber was soll man machen ;)

  2. Jetzt ist mir klar, warum ich heute vermehrt zugriffe auf meinen Bericht über “Trockentauchhandschuhe” habe! :-)

    michael

  3. Ich ergänze noch ein klein bisschen. Zum einen kann man die Everflex an sein eigenes Handgelenk anpssen (http://www.atc-ev.de/index.php/downloads/finish/1-tipps-und-tricks/2-kalte-haende/0) bzw. noch einfacher durch das Deep-Stop Manschettensystem zum einen Material “nachrüsten” sodass kein Wasser mehr einbricht und zum anderen für mehr Isolation sorgen (http://www.deepstop.de/de/handschuhe/1005-neoprenmanschettensystem.html).

    Ich nutze mittlerweile nur noch die letztere Lösung, da das weniger Aufwand erzeugt :-)

    Aber dennoch besten Dank für den Tollen Artikel!

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