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Tipps rund um das Thema "Tauchen"

Isolationsstrategie für Trockentaucher (Teil 1)

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Isolierstrategie: Eine mögliche Kombination für Tauchgänge bei 4 Grad Wassertemperatur

Im Winter wird man als Taucher von vielen Menschen schräg angeschaut, wenn man erwähnt, dass man auch in dieser Jahreszeit tauchen geht; und dafür nicht extra nach Ägypten fliegt, sondern in heimischen Gewässern taucht. Und auch viele Taucher legen im Winter lieber eine Pause ein. Dabei ist das Tauchen auch im Winter möglich, ohne dass einem die Zehen oder Finger vor Kälte abfallen. Das Ausschlaggebende ist die richtige Isolationsstrategie für Trockentaucher.

Hängt wirklich alles von einem dicken Unterzieher unter dem Trockentauchanzug ab, oder gibt es auch andere Möglichkeiten sich warm zu halten? Wie ist es, wenn man verschiedene Lagen Unterwäsche kombiniert? Auf diese und andere Fragen möchte ich im heutigen Artikel eingehen.

Verschiedene Isolationsstrategien

Wenn wir vom Trockentauchen sprechen, dann gibt es hier verschiedene Strategien, wie sich ein Taucher warm halten kann. Einige Strategien möchte ich kurz vorstellen:

  • Dicke, voluminöse Unterzieher: Die erste Strategie ist ein möglichst dicker und voluminöser Anzug. Ich muss hierbei immer an die Unterzieher der Marke Weezle denken. Diese Anzüge ähneln … bitte jetzt nicht falsch verstehen … Schlafsäcken. Sie sind recht voluminös und basieren auf einer Art künstlichen Daune (ähnlich den Daunenfedern von Gänsen). Viele Weezle-Taucher, die ich kenne, schwören auf diesen Unterzieher. Es gibt ihn als „Extreme“ und „Extreme Plus“
  • Unterzieher, basierend auf Fleece: Andere Unterzieher bedienen sich der Isolationseigenschaft von Fleece. Vielen von Euch ist dieser Stoff sicherlich aus dem Outdoor-Zubehör bekannt. Fleece ist eine Art synthetische Wolle aus Polyester. Unterzieher der Firmen Santi und DUI basieren auf diesem Stoff. Diese Unterzieher werden meist nach Gramm kategorisiert. Beispielsweise wiegt das Gewebe für einen 400 gr Unterzieher 400 gr pro Quadratmeter. Je höher also die Grammzahl, desto dicker ist der Unterzieher. Für den Winter sind 400 oder 450 gr Unterzieher ideal. Für den Sommer kommen 200 gr Unterzieher zum Einsatz.
  • Mehrere Lagen Unterwäsche bzw. Unterzieher: Der englische Tauchartikelhersteller Fourth Element hat das Prinzip der einzelnen dicken Unterzieher mit seiner Kollektion an Unterziehern und Unterwäschen ein wenig revolutioniert. Fourth Element bietet verschiedene „Kleidungsschichten“ an, die sich sehr gut kombinieren lassen, und es so ermöglichen sich optimal an die Wassertemperatur anzupassen.
  • Heizungen: Seit einiger Zeit gibt es auch die Möglichkeit sich während des Tauchgangs mit einer Heizung warm zu halten. Bis vor kurzem gab es hier nur Westen, die den Oberkörper warm halten. Mittlerweile gibt es aber auch komplette Unterzieher, die beheizt werden können. Die Firma Santi ist hier ein gutes Beispiel. Sowohl bei der beheizbaren Weste als auch beim Unterzieher muss man einen separaten Akku mitführen, der meist an der Bebänderung der Rückenplatte befestigt ist. Der Strom gelangt über eine extra Steckverbindung am Trockentauchanzug ins Innere.

Fachbegriffe zum Thema „Unterzieher“

Bereits in der Einsteigersierie: Trockentauchen bin ich auf ein paar Begriffe eingegangen, die man bei Unterziehern immer wieder hört und liest:

  • Gramm-Angabe: Viele Unterzieher werden nach Gramm unterschieden. Warum? Dies gibt im Prinzip nur wider, wie viel Gramm der Stoff pro Quadratmeter wiegt. Zum Beispiel ein 400g Unterzieher wiegt nicht 400g, sondern der hierfür verwendete Stoff wiegt 400g pro Quadratmeter. Je höher diese Grammangabe ist, desto besser sollten die Isoliereigenschaften des Unterziehers sein.
  • Thinsulate: Auch immer gerne gelesen ist der Begriff Thinsulate. Ursprünglich kommt das Material aus dem Outdoor-Bereich. Wichtigste Eigenschaft dieses Materials ist der Feuchtigkeitstransport. Die einzelnen Isolierschichten sollten so aufgebaut sein, dass Feuchtigkeit vom Körper weg bis zur Innenseite des Trockentauchanzugs transportiert wird.
  • Fleece: Fleece bedeutet auf deutsch so viel wie „Flausch“ oder „flauschig“. Es ist ein Stoff, der aus Polyester hergestellt wird (z.B. aus alten Einwegplastikflaschen). Fleece ist eine Art synthetische Wolle. Die Vorteile von Fleece sind seine Widerstandsfähigkeit, seine wasserabweisende Oberfläche und es trocknet sehr schnell.
  • Polartec: Polartec ist ein bestimmtes Fleece, das die Wärme in speziellen Fasern festhält.
  • Merinowolle: Auch wieder ein Material, das bevorzugt im Outdoor-Bereich verarbeitet wird. Der Nachteil von Wolle ist allerdings, dass es keine Feuchtigkeit weiterleitet, sondern innerhalb des Stoffs speichert. Ein klarer Vorteil sind aber die guten isolierenden Eingenschaften!
  • Stretch-Materialien: Stretch kommt überall dort vor, wo Beweglichkeit gefragt ist. Viele Unterzieher haben dieses Material mittlerweile im Schulterbereich, an den Ellbogen und den Knien

Die persönliche Isolationsstrategie

Durch die zunehmende Zahl an Herstellern für Unterzieher und Trockentauchanzüge hat sich auch die Art der Isolationsstrategie in den letzten Jahren geändert. Der dicke Unterzieher ist zwar immer noch der „Hauptisolierer“ beim Tauchen, aber auch die Unterwäsche, Kopfhaube(n), Handschuhe und die körperliche Verfassung spielen eine nicht mehr zu verachtende Rolle!

Im folgenden möchte ich daher auch auf das Gesamtkonzept „Isolationsstrategie“ eingehen, und nicht nur diverse Unterzieher beleuchten:

Vor dem Tauchgang in kaltem Wasser

Der Tauchgang beginnt im Winter nicht damit, dass man seinen Kopf unter Wasser streckt sondern schon deutlich früher, bevor man überhaupt in Richtung Tauchplatz aufbricht.

Da der Körper für die Produktion von Wärme Energie benötigt ist es vor einem Tauchgang in kaltem Wasser wichtig sich gut zu ernähren. Bei einem Tauchgang am Vormittag kann man sich zum Beispiel ein üppiges Frühstück gönnen. Rühreier, Müsli oder auch Nudeln helfen hier gut weiter. Das Essen lädt den Energiehaushalt des Körpers auf wovon dieser währende des Tauchgangs zehren kann. Ebenfalls zu empfehlen (was ja aber auch selbstverständlich sein sollte) ist eine gute Hydrierung vor dem Tauchgang. Kaffee ist hier eher nicht so geeignet. Tee, Wasser oder Apfelschorle haben hier deutliche Vorteile.

Ebenfalls muss man es vermeiden vor dem Tauchgang noch lange in der kalten Luft zu stehen. Wenn Ihr Eure Ausrüstung zuhause schon vorbereiten könnt, dann tut es! Eine Anreise im Unterzieher hat ebenfalls den Vorteil, dass man sich in der Kälte am Tauchplatz nicht umziehen muss.

Wie geht es weiter?

Im zweiten Teil möchte ich auf die einzelnen Schichten der Isolation eingehen. Hier gibt es die Möglichkeit sich je nach Wassertemperatur mit dem so genannten „Zwiebelprinzip“ optimal auf den Tauchgang einzustellen.

Passende Links zum Thema:

5 Kommentare

  1. Meine persönliche Erfahrung:

    DUI Thinsulate 400 g —> Murks. Viel zu dick und steif. Habe den jumpsuit schnell wieder verkauft.
    DUI Thinsulate 200 g —> Guter Unterzieher. Habe damit über 300 TG in Wassertemperaturen von 10 bis 1 °C gemacht.
    Aktuell tauche ich seit 1 Jahr und etwas mehr als 100 TG den neuen Unterzieher von DUI —> XM250
    Ich bin begeistert. Der beste Unterzieher bisher. Preis: heftig
    Im Winter trage ich darunter noch eine Schicht mit 4th Element „Base layer“

    Ganzjährig: Trockentauchhandschuhe: Zip-Gloves crushed neopren, Santi Innenhandschuh. Günstig und gut.
    Die gelben Innenhandschuhe aus Wolle? sind meiner Meinung nach ebenfalls Murks.

    WINTERZEIT:
    Ausrüstung wird am Abend fertig gemacht und in den Wagen gepackt. Jedoch nur weil der Wagen in der Tiefgarage steht und die Temp. nie unter 3-4 Grad fällt.
    2 std vor Abfahrt läuft meine DEFA und wärmt den Innenraum auf und den „scubatruck“-Motor an.
    Auf längeren Fahrten ziehe ich mir den Unterzieher erst kurz vor dem tauchen, z.B. an der Tanke an, um nicht unnötig zu schwitzen. Ansonsten trage ich den Unterzieher bereits im Wagen.

    Nach dem Tauchgang ebenfalls wichtig: eine gute Isolationsstrategie.

    Frohes Neues und viele gute, trockene und warme Tauchgänge Euch allen.
    Samstag werde ich die Tauchsaisson 2012 eröffnen und ein bisschen scootern gehen 🙂
    Gruss,
    A.D.

  2. Hallo Stefan,
    (und noch ein frohes neues Jahr!)

    ein interessantes Thema, dem ich mich auch gerade verstärkt wieder widme. Zum einen was meine eigene Konfiguration anbetrifft, zum bin ich /sind wir auch gerade dabei einen kleinen Artikel für unseren Blog zu schreiben.

    Mein Anfang ist übrigens so ähnlich wie deiner – es scheint also doch noch mehr solcher komischen Leute zu geben, die es verrückt finden bei den Temperaturen tauchen zu gehen *g*

    Einen Tipp von dir hier (bzw. von einem Produkttest) werde ich mal ausprobieren und mir demnächst wahrscheinlich die H1 Kopfhaube von Waterproof kaufen.
    Wenn der kalt ist, dann bringen dir halt auch alle möglichen Schichten am Körper nichts.

    • Hej Alex,
      (danke, dir auch)

      Die H1 Kopfhaube ist auf alle Fälle eine gute Empfehlung. Ich hatte sie neulich im Attersee wieder im Einsatz und der Kopf blieb richtig gut warm!

      Mittwoch kommt übrigens der zweite Artikel zum Thema.

      SF

      • Hallo an alle…

        ich habe die H1 Kopfhaube von Waterproof und bin sehr zufrieden damit,
        habe sie jetzt seid letzen jahr und die gibt richtig gut warm!

        Ich will garnicht mehr Tauschenmit einer anderen Kopfhaube

  3. Habe mir auf der Boot die H1 gekauft. War im Nachhinein ja etwas erschrocken, dass ich laut Größentabelle hätte S nehmen sollen und nicht M. Aber zu eng darf die Kopfhaube ja auch nicht sein… und meine Ohren sollten auch noch dran bleiben 😉

    Über Wasser macht sie trotz der Dicke einen guten Eindruck, unter Wasser werde ich sie aufgrund des Wetters leider erstmal nicht testen können…

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