Tipps für Taucher

Tipps rund um das Thema "Tauchen"

Einsteigerserie: Technisches Tauchen – Rebreather, Kreislaufgeräte

| 5 Kommentare

Einsteigerserie “Technisches Tauchen”

So, heute wird es noch ein bisschen technischer, was das technische Tauchen angeht! Im letzten Artikel der Einsteigerserie: Technisches Tauchen haben wir uns mit dem Thema Trimix beschäftigt, und im passenden Interview dazu hat Euch Richard Walker von GUE, ein bisschen mehr über die technische Ausbildung bei GUE erzählt.

Heute wird jetzt das Thema Rebreather, oder zu deutsch Kreislaufgeräte, näher beleuchtet.

Funktionsprinzip

Da ich persönlich keinen Rebreather tauche, ist dies hier nur eine kleine Übersicht! Ich kenne es von Freunden: Man kann dieses Thema fast ins Unendliche ausführen. Angefangen bei den einzelnen Geräten bis hin zu sehr speziellen Konfigurationen. Da dies den Rahmen dieser Serie sprengen würde, möchte ich mich auf ein paar Eckpunkte beschränken.

Jeder von Euch dürfte das Prinzip eines “normalen Tauchers” kennen: Der Taucher hat eine Flasche auf dem Rücken, aus der er über einen Atemregler Atemgas erhält. Beim Ausatmen wird das Atemgas durch den Atemregler nach außen geleitet und an die Umgebung abgegeben.

Bei einem Taucher mit Kreislaufgerät ist dies nun etwas anders: Das Atemgas wird beim Tauchen mit Rebreathern in einem Kreislauf gehalten und nicht an die Umgebung abgegeben. Beim Ausatmen wird das Gas nicht abgegeben, sondern wird in einer Gegenlunge aufgefangen – atmet der Taucher nun wieder ein, wird das Atemgas über einen Kalkbehälter gereinigt (dieser entzieht dem Atemgas das CO2) und ein kleiner Teil des Atemgases wird durch frisches Gas ersetzt. Das heißt, dass der Taucher sein ausgeatmetes Gas in gereinigter und aufgearbeiteter Form wieder atmet.

Der Vorteil dieses Funktionsprinzips ist, dass der Taucher im Vergleich zu einem Taucher mit einem offenen System (Flasche und Atemregler) weniger Gas benötigt, da ein Großteil des Gases wiederverwendet wird.


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Warum tauchen dann nicht alle Taucher mit Kreislaufgeräten?

Wenn man das mit dem Vorteil so liest, könnte man sich doch die Frage stellen, warum dann nicht alle Taucher mit Rebreathern tauchen?

Wenn Ihr die Geschichte des Tauchens betrachtet, so stellt Ihr fest, dass in der Vergangenheit sehr oft mit Kreislaufgeräten getaucht wurde. Erst der Tauchpionier Jacques Cousteau hat dann das Tauchen mit Pressluftflasche und Atemregler populär gemacht.

In der heutigen Zeit sind Kreislaufgeräte auch eher die Ausnahme am Tauchplatz. Dies hat zum einen damit zu tun, dass es sich für Tauchartikelhersteller erst lohnt ein Gerät auf den Markt zu bringen, wenn eine gewisse Verkaufszahl garantiert ist. Ansonsten rechnet sich die Entwicklung nicht.

Auch sind Rebreather im Vergleich zu einem offenen System mit Flasche und Atemregler sehr teuer. Es kommen zwar immer mehr neue Modelle auf den Markt, und man möchte auch versuchen vermehrt den Sporttaucher anzusprechen, aber der Preis ist immer noch eine Hürde was die Anschaffung eines Kreislaufgerätes anbelangt.


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Welche Varianten gibt es?

Nachdem es auf dem Markt mittlerweile dutzende von Geräten gibt, ist auch deren Funktionsweise unterschiedlich. Die unten aufgeführten Varianten unterscheiden sich dabei in der Funktionsweise des Kreislaufgerätes. Eine kurze Übersicht möchte ich Euch im Folgenden geben:

  • CCR: Diese Abkürzung steht für Closed Circuit Rebreather. Zu Deutsch “Geschlossener Kreislauf Kreislaufgerät”. Der Name besagt, dass das Gerät einen geschlossenen Kreislauf hat, und somit nur sehr wenig Gas an die Umgebung abgibt.
  • SCR: Diese Abkürzung steht für Semi Closed Rebreather. Zu Deutsch “Halb Geschlossenes Kreislaufgerät”. Diese Geräte geben pro Atemzug eine bestimmte Menge Gas an die Umgebung ab und ersetzen diese durch die gleiche Menge an neuem Atemgas.
  • Sauerstoffrebreather: Dies ist der Urtyp des Rebreathers. In ihm wird, wie der Name schon erahnen lässt, nur mit Sauerstoff als Atemgas gearbeitet. Diese Rebreather haben daher aber auch nur eine Einsatztiefe von 6 m. Bei viele militärischen Tauchern kommen diese Geräte noch zum Einsatz.

Die oben genannten Bezeichnungen sind jetzt nur eine grobe Kategorisierung. Gerade im Bereich der CCR-Kreislaufgeräte gibt es dann noch den mCCR (dieser wird manuell bedient; ganz grob ausgedrückt) oder auch den eCCR (hier übernimmt eine Elektronik die Steuerung).

Elektronik vs. Mechanik

In der Gemeinde der Rebreather-Taucher ist die Leidenschaft für Technik noch höher angesiedelt, als sie bei Tauchern eh schon ist. Dies hat damit zu tun, dass Kreislaufgeräte auf Grund ihrer Bauarten um einiges komplizierter sind als das klassische Prinzip Flasche + Atemregler.

Die neuesten Geräte haben eine elektronische Steuerung eingebaut. Das bedeutet – wenn wir von einem eCCR Kreislaufgerät ausgehen – folgendes: Der Taucher hat an seinem Kreislaufgerät eine Flasche mit Luft und eine zweite Flasche mit Sauerstoff befestigt. Zwischen diesen Flaschen befindet sich dann das eigentliche Kreislaufsystem, das auch die Elektronik enthält. Beim Atmen errechnet diese Elektronik nun das optimale Gasgemisch, das der Taucher auf der entsprechenden Tiefe atmen kann. Das heißt, die Elektronik mischt dem Taucher sein optimales Atemgas aus Luft und Sauerstoff. Das heißt bei flachen Tiefen ist der Sauerstoffgehalt im Atemgas höher, in größeren Tiefen, reduziert die Elektronik den Sauerstoffanteil.

Damit die Elektronik weiß, wie viel Sauerstoff sich im Atemgas befindet, sind in das Kreislaufgerät Sauerstoffsensoren eingebaut. Diese messen in einem gewissen zeitlichen Abstand den Sauerstoffanteil und regeln bei Bedarf das Atemgas nach.

Und genau dieser Teil mit der Elektronik ist nun für einige andere Taucher ein Schwachpunkt. Denn wir wissen ja alle, wie schlecht sich Elektronik und Wasser vertragen. Und da wir beim Tauchen nun mal unter Wasser sind, ist das Risiko ein wenig höher, dass die Elektronik ein Bad nimmt.

Hier gibt es nun Kreislaufgeräte, die ohne Elektronik auskommen. Ein derzeit gern getauchtes System ist der so genannte pSCR-Rebreather. Dabei handelt es sich um einen Rebreather, der das Atemgas streckt. Das heißt, dass in einem immer gleichen Abstand eine gewisse Menge Gas abgegeben wird und durch die gleiche Menge frischen Gases wieder ersetzt wird. Im Gegensatz zum oben beschriebenen Prinzip mischt dieser Rebreather das Gas nicht selbst. Dem ausgeatmete Gas wird zwar auch mit Hilfe eines Kalkbehälters das CO2 entzogen, allerdings wird dann kein reiner Sauerstoff nachgeregelt, sondern ein vorgemischtes Atemgas.

Dieses Prinzip hat den Vorteil, dass der Taucher ohne elektronische Überwachung immer weiß, welches Gas er im Moment atmet.


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Einsatzbereiche von Rebreathern

Mit dem Buddy Inspiration oder auch den beiden Geräten von Dräger sind die Rebreather bereits vor einigen Jahren im Sporttauchen angekommen … oder sollte man sagen: Sie haben versucht im Sporttauchen anzukommen?

Da Rebreather ganz klar den Vorteil haben, dass sie dabei helfen Gas einzusparen, kommen diese Geräte vor allem bei tiefen oder langen Tauchgängen zum Einsatz. Beim Tieftauchen ist irgendwann eine Grenze erreicht, bei der es absolut unkomfortabel wird, dutzende an Flaschen mitzunehmen. Auch bei sehr langen Höhlentauchgängen kommen Rebreather zum Einsatz, da sie auch hier den Vorteil bringen, relativ sicher größere Strecken zu überwinden.

Was man aber auf alle Fälle sagen muss, ist, dass das Tauchen mit Kreislaufgeräten – im Vergleich zum klassischen Tauchen – ein erhöhtes Risiko birgt. Die Geräte brauchen eine erhöhte Aufmerksamkeit beim Tauchen! Auch die Vor- und die Nachbereitung sind nicht unerheblich.

Das Argument gegen einen Rebreather dürfte bei vielen sicherlich auch der erhöhte Preis sein. Kosten um die 5.000 bis 10.000 € für ein Gerät schlagen hier schon kräftig zu Buche. Über eingesparte Gaskosten kann man diesen Preis auch nicht immer gegenrechnen, da man Verbrauchsmaterialien wie Atemkalk, Sensoren etc. in die laufende Rechnung mit aufnehmen sollte.

Bevor Ihr mit dem Tauchen mit einem Rebreather beginnet, überlegt Euch also gut, ob ein solches Gerät für Euch von Vorteil ist. Ebenfalls sehr zu empfehlen ist hier eine sehr gute Ausbildung für das Gerät zu absolvieren! Das Tauchen mit Kreislaufgerät birgt ein wesentlich höheres Risiko beim Tauchen!

In den nächsten beiden Artikel habe ich vier Rebreather-Taucher interviewt, die drei unterschiedliche Rebreather-Typen tauchen. Was deren Vor- und Nachteile sind, könnt Ihr kommende Woche hier nachlesen … also, stay tuned!

 

5 Kommentare

  1. PSCR gehört doch zur Gruppe der SCR – oder täusche ich mich?
    Genau so wie CCR und mCCR einfach CCR sind! :-)

    Michael

  2. hi
    ich komm aus dem grinsen nicht mehr raus wenn ich lese, das der pscr taucher immer genau weiss was er atmet.
    das ist genau der grösste irrglaube zu wissen was genau in der kiste passiert.selbstversändich dazu noch ohne überwachung , deshalb taucht man und frau pscr.

  3. Hier mal ein paar Worte von jemandem der drauf und dran ist auf CCR umzusteigen und schon einige Geräte getaucht hat…

    Weitere Vorteile des Kreisels :

    Warmes Gas atmen -> längere Tauchgänge in kaltem Wasser werden möglich mit offenem System nicht unproblematisch wären – vorallem wen Helium im Spiel ist.

    Feuchtes Gas atmen -> Wasserverlust wird minimiert – dekompressionsphysiologisch sehr wichtig !!

    Dekompression wird effektiver : es finden beispielsweise keine Inertgassprünge statt wie beim OC Gaswechsel ( CCR ). Für Photographen im Sporttauchbereich ist oft eine erheblich verlängerte Nullzeit auch ein wichtiger Punkt auf ein Kreislaufgerät zu wechseln.

    Bei den PSCR Geräten gehen die Meinungen ja auseinander, aber ich sehe dort die Nachteile aus OC und CCR vereint.
    Soviel man hört ist GUE ja langsam genau wie UTD es bereits macht daran einen DIR CCR zu entwerfen. Auch Richard Walker hat ja seinen Mod 1 auf einem eCCR gemacht dieses Jahr…

    Warum wechsele ich auf ein CC System ? Jeder der einen Full Trimix Tauchgang im dreistelligen Bereich mal gemacht hat weiss wie hoch die Gaskosten für sowas sind. Die Heliumpreise steigen stetig da der Industriebedarf wächst und die Verfügbarkeit bedingt durch amerikanische Produktionsengpässe schrumpft.

    Im Nachhinein bereue ich die ganzen OC Trimixkurse gemacht zu haben, hätte ich das Geld auch direkt in einen Rebreather investieren sollen.

    Serivcekosten und (Sensor u.a.) unterhalt sind nur eine Frage von Nutzung denke ich mal.

    Zum Thema CCR im Sporttauchen – man muss sich dafür interessieren und einen gesunden Menschenverstand haben um das Risiko einschätzen zu können und auch den nötigen Respekt beim Umgang mit dem Gerät anzuwenden. Ventilauf und Los geht’s ist nicht mehr drin.

    Gruß

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