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Inflator reinigen [Gastartikel]

| 12 Kommentare

Reinigung des Inflators

Im heutigen Gastartikel wird Euch Sebastian das Zerlegen einer Inflator-Einheit zeigen. Beim Tauchen ist der Inflator ein sehr wichtiges Teil, dem aber – anders als Atemreglern – kaum Aufmerksam geschenkt wird, wenn es um die Wartung der Tauchausrüstung geht.

Genau wie Atemregler sollte man seinen Inflator regelmäßig warten, denn schließlich ist es lebenswichtig, dass er einwandfrei funktioniert und weder hakt noch klemmt.

Da ich mir vor kurzem ein neues Wing zugelegt habe, bei dem der Auslassknopf etwas hakte, werde ich euch nun im folgenden beschreiben, wie ihr euren Inflator ganz einfach selber revisionieren könnt. Da die meisten Inflatoren im Tec-Bereich ähnlich aufgebaut sind lässt sich das Prinzip auch auf andere Marken übertragen.

Vorab: Diese Beschreibung soll nur eine Anregung für erfahrene Bastler sein. Keinesfalls solltet ihr an eurem Inflator herumschrauben, wenn ihr nicht zu 100% wisst, was ihr tut!

Sollte der Inflator nach der Wartung nicht richtig funktionieren kann das böse ins Auge gehen und schlimme Konsequenzen haben.  Also bitte nochmals: Versucht das Folgende nur, wenn ihr wisst, was ihr tut. Ich übernehme keinerlei Haftung für Folgeschäden!

Zuerst solltet ihr euch überlegen, ob ihr den Inflator nur zerlegen und reinigen wollt oder, ob ihr gleich ein neues Wartungskit verbauen wollt. Ich habe mir hierzu etwas recherchiert und überraschenderweise herausgefunden, dass die meisten Wartungskits mehr oder weniger die gleichen O-Ringgrößen enthalten. Allerdings habe ich bei meinem Inflator die O-Ringe aufgrund des guten Zustands nicht ausgewechselt und das Wartungskit für das nächste Mal aufgespart.


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Material und Werkzeug:

  • evtl. Wartungskit
  • Seitenschneider
  • Schraubenschlüssel für Inflatornippel
  • Kleinen Schraubenschlüssel zum zerlegen des Einlassknopfs
  • Passende Ratsche mit Nuss für Auslassknopf (Halcyon)
  • Passender Innensechskantschlüssel für Auslaßknopf (DIR-Zone)
  • Wasserpumpenzange zum Gegenhalten
  • Kleiner Schlitzschraubendreher zum entfernen der O-Ringe
  • Zahnbürste oder Pinsel zur Reinigung
  • Spiritus
  • evtl. Metallreiniger
  • Zwei Kabelbinder
  • ca. 3cm Fahrradschlauch
  • Schmiermittel (z.B. Christo-Lube)
  • Einweghandschuhe
  • Spezialwerkzeug zum Öffnen des Einlassknopfs

Herstellung des Spezialwerkzeugs:

Spezialwerkzeug zum Zerlegen des Inflators

Natürlich kann man ein solches Spezialwerkzeug auch für etwa 5 € im Internet oder im Tauchshop kaufen aber ich habe mich für den Selbstbau entschieden. Das Ganze dauert keine fünf Minuten und sollte auch für den ungeübten Bastler zu schaffen sein.
Benötigt wird lediglich:

  • ca. 15cm eines 22mm Kupferrohrs
  • Eine kleine Eisensäge
  • Eine Metallfeile

Zunächst sollte man überprüfen, ob das Kupferrohr genau über den Einlassknopf des Inflators passt. Nun kann man die Position der beiden Nuten im Metallring um den Knopf herum auf dem Kupferrohr markieren. Jetzt muss nur noch alles nicht markierte Material etwa 3mm tief um die markierten Stellen herum weggesägt und danach mit der Feile geglättet werden. Und schon ist das “Spezialwerkzeug” fertig und auch wenn Kupfer ein weiches Material ist reichen die kleinen Spitzen des Werkzeugs aus, um den Inflator vorsichtig zu öffnen.


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Inflator zerlegen:

Entfernen des “Inflatornippels”

Als erstes sollte man hierzu die beiden Kabelbinder vorsichtig entfernen. Dabei ist darauf zu achten, den Faltenschlauch nicht zu beschädigen. Jetzt kann es vorkommen, dass im Faltenschlauch ein Drahtseil zur Zugbegrenzung verläuft (z.B. bei DIR-Zone). Dieses kann einfach durch Herausdrücken eines kleinen Stiftes im Plastik des Inflators gelöst werden.

Nachdem ihr den Inflator gelöst habt, könnt ihr den Inflatornippel mithilfe eines Schraubenschlüssels entfernen. Jetzt gibts es zwei Möglichkeiten: Wenn ihr von der Anschlussseite des Faltenschlauchs in den Inflator schaut seht ihr entweder eine Mutter (Halcyon) oder eine Innensechskantschraube (DIR-Zone). Diese werden mit dem passenden Werkzeug geöffnet.

Entfernen der Mutter im Inneren des Inflators

Dabei muss der Auslassknopf mit einer Zange festgehalten werden, da er sich sonst mitdreht. Ich habe hierzu einen alten Lappen zwischen Zange und Knopf gelegt, damit dieser nicht zerkratzt. Auch die von mir verwendete Nuss passt nur gerade so in den Inflator und deswegen habe ich sie vorsichtshalber mit etwas Silikonöl eingefettet, damit sie besser gleitet.

Beim Öffnen ist darauf zu achten, dass sowohl der Einlass- als auch der Auslassknopf unter Federspannung stehen. Also Vorsicht beim Öffnen, sonst ist die Feder für immer weg. Nachdem ihr nun den Auslassknopf zerlegt habt wird auch der Einlassknopf mithilfe des Spezialwerkzeugs herausgeschraubt. Hierbei muss nicht gekontert werden.

Entfernen des Einlassknopfes mit Hilfe des Spezialwerkzeugs

Zusätzlich lässt sich der Einlassknopf mit einer kleinen Zange und einem Schraubenschlüssel ein weiteres Mal zerlegen (Bei DIR-Zone Inflatoren ist hier ein kleiner Sprengring anstatt des Gewindes verbaut, der einfach abgezogen werden kann).

Jetzt habt ihr den Inflator komplett zerlegt und ihr könnt nun die O-Ringe vorsichtig mit einem Schraubenzieher entfernen. Hierbei ist es hilfreich alle Teile in richtiger Reihenfolge auf einem Küchenkrepp auszubreiten.

An meinem Inflator gab es einige kleine Korrosionsspuren, die ich mit Metallreiniger entfernt habe. Danach habe ich das Metall und die O-Ringe mit einer Zahnbürste und etwas Spiritus fettfrei gemacht. An dieser Stelle bitte kein Aceton oder ähnliches verwenden, denn das kann die O-Ringe anlösen. Ein Ultraschallbad ist natürlich ebenfalls perfekt geeignet.

Der komplett zerlegte Inflator

Wenn die Teile nun sauber und fettfrei sind, können die O-Ringe sparsam mit dem Schmiermittel bestrichen und wieder aufgezogen werden. Auch wenn die Sauerstoffreinheit im Inflator eine eher untergeordnete Rolle spielt habe ich mich für ein sauerstoffverträgliches Schmiermittel entschieden. Da ein kleines Döschen hiervon nicht weniger als 18 € kostet, sollte man es sparsam verwenden und beim Auftragen und Zusammenbauen Handschuhe tragen, da die Sauerstoffreinheit sonst dahin wäre.
Die so geschmierten Teile können nun in umgekehrter Reihenfolge wieder zusammengesetzt werden. Es reicht hierbei völlig, alle Teile etwas mehr als handfest anzuziehen.

Zum Schluss: Fixieren des Inflators am Faltenschlauch mit zwei Kabelbindern

Ist der Inflator wieder richtig zusammengesetzt, sollte er vor dem erneuten Einbau getestet werden. Hierzu einfach den Inflator an deinen Inflatorschlauch anschließen und auf seine Funktion hin überprüfen. Sollte ungewollt Luft entweichen kann dies zum Beispiel an einem gequetschten O-Ring liegen.

Funktioniert der Inflator einwandfrei, könnt ihr ihn wieder an den Faltenschlauch anstecken. Vorher solltet ihr allerdings ein Stück Fahrradschlauch auf den Faltenschlauch aufziehen. Hiermit werden später die Kabelbinder abgedeckt. Wenn der Inflator in der richtigen Position sitzt könnt ihr ihn mit zwei entgegengesetzten Kabelbindern wieder befestigen. Die Kabelbinder sollten fest sitzen (evtl. Zange zur Hilfe nehmen). Wenn die Kabelbinder fest sitzen, werden die Enden möglichst kurz und ohne scharfe Kanten zu hinterlassen abgeschnitten. Wer mag kann die Kabelbinder zusätzlich mit etwas Tape abdecken. Jetzt muss man nur noch den Fahrradschlauch zurückziehen und dann ist man auch schon fertig.

Zum Schluss noch: Auch wenn ihr euch sicher seid alles richtig gemacht zu haben, ist es doch ratsam erstmal einen sehr flachen Probetauchgang oder idealerweise einen Pooltauchgang zu unternehmen.

So und nun wünsche ich euch viel Spaß beim Basteln und immer gut Luft!

Danke an Sebastian für diesen Gastbeitrag. Falls Ihr auch eine Idee für einen Artikel habt, dann schreibt mit direkt über das Kontaktformular an!

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12 Kommentare

  1. Sehr gelungener Artikel!

  2. Schöner Artikel… Nur eine kleine Anmerkung: Ein Schraubenzieher ist nicht das ideale Werkzeug um O-Ringe abzuziehen. Die relativ scharfen Kanten können den O-Ring schnell beschädigen (z.B. wenn er gegen den Sitz geschert wird) und das gehärtete Metall des Schraubenziehers ist nicht besonders gut für den O-Ring-Sitz. Es ist besser stumpfe und relativ weiche Werkzeuge zu verwenden (beispielsweise aus Plastik oder Bronze).

    • Hallo Jan,
      da hast du sicherlich recht…Ich habe auch nur die großen O-Ringe mit einem Schraubenzieher entfernt, da ich gerade nichts besseres zur Hand hatte. Die kleinen O-Ringe habe ich mit einem dieser Modelierwerkzeuge für Ton entfernt. Das ist aus Plastik und besitzt vorne eine Abgerundete Spitze.

      Gruß, Sebastian

  3. Ja so ein Inflatur wird leider von vielen sehr stiefmütterlich behandelt!

    Michael

  4. Danke für den Tipp, wobei das Spezialwerkzeug kann man auch durch ne Zahnarztpinzette ersezten.

    Nen guten Werkzeug für O-Ringe ist nen Heidemann-Spatel gibts in Apotheken oder bei bei Ebay für kleines Geld.

    Grüße Michael

  5. Hallo!
    Wieso sauerstoffverträgliches Fett? Bei dem Druck der dort anliegt und dem Gasgemisch, kann man sicher normales Silikonfett verwenden. Ich kann mir nicht vorstellen das da mal mehr als ein 32-er Nitrox bei 10 bar durchströmt. Nicht das es auf das halbe Gramm Fett ankommt, aber mancher macht sich extra die Mühe sauerstoffverträgliches Fett zu besorgen.

    Die Kabelbinder decke ich nicht ab. Ich begründe das damit, dass ich sehen möchte ob der Kabelbinder an seinem Ort ist und nicht gebrochen ist. Ich hatte schon Kabelbinder da brach die Hälfte nach einem Jahr wie Glas. Die waren aber aus dem “Baumarkt” und nicht von den Herstellern verbaut, nicht das sich jemand Sorgen macht. Ramsch eben. Ich verwende mittlerweile, ich nenne sie mal “halbtransparent” oder weiß, von einem Markenhersteller. Man sieht sofort ob der Kabelbinder noch da ist und in welchem Zustand. Der Rest ist ja modisch Schwarz.

    Übrigens verwende ich auch weiße (Miflex-)Schläuche gern. Kontrast gegen Lampenkabel und man sieht Schlauchführung usw. sofort. Der “Buddy-Check” erleichtert sich auch enorm. Aber sicher nicht jedermanns Geschmack.

  6. Moin,

    was hat die Mutter (Halcyon) im Inflator für ein Maß?

    Besten Dank

  7. Moin,
    dass würde mich auch interessieren, habe meinen gerade auseinander gebaut, aber die innere “Schraube” kann ich nicht lösen, 13er Nuss ist zu klein, 14er Nuss passt nicht rein (verschiedene ausprobiert).

    Sonnige Grüße

  8. Jop saubere Sache, hab heute auch die ganze Firma wild gemacht, 600Mann Firma und es gibt keine Zoll Steckschlüssel, ab nächste Woche nun schon :D

    Besten Dank, ging ja fix, dank Facebook ;)

  9. Zoll Werkzeug gibt es bezahlbar im Motorrad Zubehör ( Fa. Louis oder Fa. Polo) für Harleys

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