Tipps für Taucher

Tipps rund um das Thema "Tauchen"

Gase selbst mischen Teil 2 – Einführung, Voraussetzungen und Gefahren #Nitrox #Trimix

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Nachdem ich es im Herbst 2012 gewagt hatte, mich im Bereich des Trimix-/ Mischgastauchens fortzubilden (GUE Tec 1 Kurs), hat sich für mich seit dem die Frage gestellt, wo bekomme ich die speziellen Gase für diese Art des Tauchens her? Wir sind in unserer Gegend mit betauchbaren Seen sehr gut ausgestattet, daher hat sich auch der ein oder andere Tauchshop bei uns angesiedelt. Allerdings zeigt sich bei genauerem Hinsehen, dass kaum einer der Shops Gase – außer Luft – zum Tauchen anbietet. Wir haben einen Tauchshop in unmittelbarer Nähe, der aber sehr hohe Auflagen hat, was das Füllen von Mischgasen angeht (spezielle Ventile) und der zweite, damals noch vorhandene Shop, hat leider seine Tore geschlossen.

Daher hat sich in den vergangenen Monaten die Frage gestellt, wie kann es möglich werden Mischgase selbst zu mischen und damit recht einfach an diese Art von Gasen zu kommen.

Wie Ihr an der Überschrift dieses Artikel schon erkennen könnt, ist dieser Artikel eine Einführung in das große Thema des “Gase selbst mischen” oder neudeutsch “Gas Blending”.

Damit ist gemeint, dass Ihr Euch mit Hilfe einiger Dinge, wie Sauerstoff und Helium, Füllschlauch etc. zuhause Euer eigenes Mischgas herstellen könnt.

Bevor wir aber in das Thema einsteigen, gibt es einige Dinge zu beachten!

Achtung: Dieser und folgende Artikel sind keine Anleitung, wie man Mischgase selbst herstellt! Im nicht sachgemäßen Umgang mit Gasen besteht erhebliches Verletzungsrisiko! Mischgase selbst herzustellen erfordert eine gründliche Einführung in die Materie! Ohne einen Gas-Blending-Kurs rate ich ausdrücklich davon ab, Gase selbst zu mischen! Wie geschrieben, es besteht erhebliche Verletzungsgefahr!

Was sind Mischgase?

Im Folgenden wird immer mal wieder das Wort Mischgas oder Mischgase fallen. Was ist das eigentlich?

In Taucherkreisen hat sich das Wort “Mischgas” für alle Gase eingebürgert, die gemischt werden. Das heißt, sie sind nicht von Natur aus vorhanden, wie beispielsweise Luft, sondern werden künstlich gemischt. Unter den Begriff Mischagse fallen zum Beispiel Nitrox und Trimix. Außerdem gibt es noch ein paar Exoten, die aber nicht im Bereich des Sporttauchers Verwendung finden.

Hier eine kleine Übersicht:

  • Nitrox: Nitrox dürfte mittlerweile den meisten Tauchern ein Begriff sein. Unter Nitrox versteht man ein Gas, das aus Nitrogen (Stickstoff) und Oxygen (Sauerstoff) besteht. Schaut Euch hierzu auch meine Serie: Nitrox tauchen an!
  • Trimix: Wenn es um tiefe Tauchgänge geht, kommt meist ein Trimix zum Einsatz. Wie der Name schon sagt, besteht dieses Gas aus drei Gasen. Klassisch besteht ein Trimix aus Sauerstoff, Stickstoff und Helium.
  • Triox: Triox ist ähnlich wie Trimix ein Gasgemisch aus Sauerstoff, Stickstoff und Helium. Einziger Unterschied ist, dass Triox nur normoxische Gasgemische bezeichnet. Sprich, der Sauerstoffanteil liegt nicht unter 21%.
  • Heliox: Heliox ist ein Gasgemisch aus Helium und Sauerstoff. Es kommt eher selten zum Einsatz.
  • Hydrox: Jetzt wird es krass! Hydrox ist ein Gasgemisch aus Wasserstoff (H2) und Sauerstoff (O2) – klingt explosiv! Ist es auch! Dieses Gas ist absoluten Spezialisten vorenthalten. Erlaubt laut wikipedia aber auch Tauchtiefen bis zu 700m!
  • Neox: Noch ein Exot! Neox ist eine Mischung aus Neon und Sauerstoff. Neon ist ein sehr teures Gas, daher kommt Neox eher selten vor.
  • Es gibt noch weitere Möglichkeiten wie Hydreliox, Heliair etc. auf die ich jetzt aber nicht weiter eingehen werde…

Wofür werden Mischagse verwendet?

Im Bereich des Sporttauchens (bis 30m) kommen die sogenannten Nitrox-Gemische zum Einsatz. Als Standard-Nitrox hat sich hier das EAN32 etabliert. Nitrox ist mittlerweile weit verbreitet und kann an vielen Urlaubstauchbasen gefüllt werden. Das Gas hat durch seinen erhöhten Sauerstoffanteil den Vorteil, dass man seine Grundzeit ausdehnen kann, oder – wenn man sich an der Tauchtabelle für Luft orientiert – seine Tauchgänge sicherer zu gestalten, was die Aufsättigung von Stickstoff angeht.

Im technischen Bereich wird Trimix und Nitrox verwendet. Trimix für das tiefe Tauchen und Nitrox für die Dekompression. Das Trimix ist dabei das Atemgas, das in der Tiefe geatmet wird. Während des Auftauchens kommen dann Dekompressionsgase zum Einsatz, die je nach Tiefe einen angepassten Sauerstoffgehalt haben, um die Dekompression zu optimieren.

Voraussetzungen

Egal ob Ihr nun Nitrox oder Trimix tauchen möchtet, für beide Gase benötigt Ihr die Möglichkeit, diese auch in Eure Tauchflaschen füllen zu können. Und um den Titel der Artikelserie aufzugreifen, möchten wir das natürlich selbst machen!

Bevor Ihr nun aber damit beginnt, zuhause Eure Gase selbst zu mischen, müssen einige Voraussetzungen erfüllt sein, auf die ich im Folgenden nun eingehen möchte:

Umgang mit Gasen lernen – Gas-Blender-Kurs

Meiner Meinung nach der wichtigste Schritt hin zu einer eigenen Gaslogistik zuhause ist die Teilnahe an einem so genannten “Gas-Blender-Kurs”. In diesem Kurs lernt Ihr, was Ihr beim Füllen von Mischgasen beachten müsst. Zum Einen werdet Ihr Informationen über das Füllen selbst erhalten (was benötigt Ihr an Ausrüstung, wie fülle ich, etc.). Zum Anderen aber auch, welche Voraussetzungen Eure Taucherausrüstung haben muss (Stichwort: Sauerstoffreine Ventile, etc.).

Ihr werdet explizit auf die Gefahren und rechtlichen Aspekte des Füllens von Mischgasen hingewiesen.

Gas-Blender-Kurse werden mittlerweile von vielen technisch orientierten Ausbildungsorganisationen angeboten. Die Kurse sollten sowohl aus Theorie als auch aus Praxis bestehen, sodass Ihr zum einen die Grundlagen kennen lernt, aber auch das gelernte unter fachmännischer Anleitung üben könnt.

Woher bezieht Ihr die Gase?

Nach der erfolgreichen Teilnahme am Gas-Blender-Kurs, stellt sich nun die Frage woher Ihr die Gase beziehen könnt, mit denen Ihr mischen werdet. Sauerstoff und Helium kann man nicht einfach so im Baumarkt kaufen!

Mir sind hierzu zwei Möglichkeiten bekannt, die sich direkt an Taucher richten.

  1. IG Gase: Die IG Gase ist, wie die Abkürzung schon erahnen lässt, einen Interessengemeinschaft, die gegründet wurde, um es Tauchern zu erleichtern an Sauerstoff und Helium zu gelangen. Die IG Gase wurde im Jahr 2002 vorn Thore Adler gegründet, mit dem Hintergrund zu vernünftigen Konditionen Gase zu erwerben. Die Mitgliedschaft in der IG Gase ist kostenlos. Wenn Ihr Interesse habt, meldet Euch über die Website der IG Gase an. Ihr erhaltet dann einen Kundennummer und einen Kontakt zu einem Gaslieferanten. Über diesen könnt Ihr dann Tauchgase ordern. Die IG Gase wird komplett in der Freizeit bearbeitet. Daher kann es bei der Kontaktanfrage auch die ein oder andere Woche dauern, bis man einen Kundennummer zugewiesen bekommen kann. Hier der Link zu Website der IG Gase.
  2. VDST: Die zweite Möglichkeit ist über den VDST einen Gasvertrag abzuschließen. Der VDST vermittelt hierbei Mitglieder an Gaslieferanten, über die dann Gase für das Tauchen bezogen werden können. Der Service ist nur für VDST-Mitgleider. Weitere Infos hierzu findet Ihr auf der Website VDST-Gaslogistik.

Über beide Möglichkeiten erhaltet Ihr Kontakte zu einem Gashändler, der Euch dann mit entsprechenden Gasen versorgen kann.

Die Standardgröße der Speicherflaschen ist 50l. Druck 300bar. Hier solltet Ihr Euch auch schon im Vorfeld Gedanken machen, wie Ihr diese Flaschen am Besten transportieren könnt.

Ort zum Gase mischen

Als nächstes müsst Ihr Euch darüber Gedanken machen, wo Ihr einen geeigneten Ort habt, um Mischgase selbst zu mischen. Nur folgende Stichpunkte hierzu:

  • Der Raum muss gut belüftet sein
  • Im Raum dürfen sich keine leicht entzündlichen Stoffe befinden
  • Die Flaschen müssen sicher stehen und befestigt werden können
Weiter möchte ich auf diesen Punkt nicht eingehen, da Ihr genaue Informationen in Eurem Gas-Blender-Kurs erhalten werdet.

Ausrüstung

Für das Herstellen von Mischgasen benötigt Ihr auch spezielles Equipment. Hierauf möchte ich aber im nächsten Artikel noch genauer eingehen. Daher hier nur ein kurzer Überblick:

  • Adapter für die Speicherflaschen
  • Füllschlauch für das Überströmen der Gase
  • Manometer am Füllschlauch
  • Analyse-/ Messgeräte

Zugang zu einem Kompressor

Beim Füllen mit der Partialdruckmethode legt Ihr aus den Speicherflaschen einen gewissen Druck, zum Beispiel Sauerstoff, in die Flasche vor. Wenn Ihr dann ein tauchfähiges Atemgas herstellen möchtet, müsst Ihr die Flasche mit Hilfe eines Kompressors noch mit Luft auf den passenden Enddruck füllen. Das heißt, Ihr braucht einen Kompressor, mit dem Ihr das bewerkstelligen könnt.

Auch wenn Ihr einen Tauchshop habt, bei dem Ihr Luft füllen könnt, sprecht mit dem Besitzer vorab, ob es möglich ist, vorgeführte Flaschen dort auf den Enddruck füllen zu lassen. Geht auf keinen Fall mit einer Flasche, in der reiner Sauerstoff ist zu einem Tauchshop und lasst Euch diese dort füllen! So etwas muss im Vorfeld abgesprochen sein.

Auch solltet Ihr Euch darüber im Klaren sein, dass die Luft, die Ihr zum auftoppen in die Flaschen füllt, eine gewisse Sauberkeit aufweisen sollte. Verunreinigte Luft mit Sauerstoff zu mischen kann gefährlich werden! Davon müsst Ihr Euch im Vorfeld versichern, dass die gefüllte Luft diese Reinheitsgrenzen nicht überschreitet! Dies ist aber auch Thema eines Blender-Kurses!

Vorgestellte Methode

Wenn ich hier vom Mischen von Atemgasen spreche, dann meine ich in meinem Fall die Herstellung von Mischgasen mit Hilfe der Partialdruckmethode.

Dies bedeutet, dass die Gase, die später ein Mischgas bilden, alle nacheinander in die Tauchflasche gefüllt werden. Im Fall eines Trimix beginnt Ihr das Füllen mit Sauerstoff. Dieser wird bis zu einem vorher ausgerechneten Druck in die Flasche gefüllt. Im Anschluss füllt Ihr Helium in die Flasche. Ebenfalls wieder bis zu einem vorher berechneten Druck. Im Anschluss wird die Flasche an den Kompressor angeschlossen und mit Luft gefüllt; solange bis der Enddruck erreicht ist. Auch dieser ist im Vorfeld genau berechnet worden.

Im privaten Herstellen von Gasen ist die Partialdruckmethode diejenige mit dem vergleichsweise geringeren Aufwand. Ihr benötigt “nur” Eure Grundgase (O2 und He), das entsprechende Equipment (Füllschlauch etc.) und einen Kompressor. Dann könnt Ihr schon loslegen.

Es gibt noch die “continous flow”-Methode (zu deutsch etwa “konstanter Fluss”). Dabei wird zum Beispiel Sauerstoff bereits in die Luft eingespeist, die ein Kompressor ansaugt. Im Endeffekt “spuckt” der Kompressor dann das gewünschte Atemgas aus. Diese Methode ist aber technisch sehr anspruchsvoll, da Ihr sowohl den O2-Fluss als auch die Temperatur des Kompressors sehr genau im Auge haben müsst!

Eine weitere Methode ist eine sogenannte Membrananlage. Diese wird ebenfalls mit einem Kompressor betrieben und kann Nitrox-Gemische mit einem Sauerstoffanteil von bis zu 40% herstellen. Da die Anschaffung einer solchen Anlage aber sehr teuer ist, bleibt dies Tauchbasen überlassen.

Gefahren

Meiner Meinung nach muss beim Thema “Gase selbst mischen” auch der Aspekt der möglichen Gefahren genannt sein! Wie bereits geschrieben, diese Artikelserie soll nur ein kleiner Einblick in das Thema sein. Fundiertes Wissen dazu erhaltet Ihr in einem Gas-Blender-Kurs!

Im Umgang mit Gasen, die unter hohen Druck stehen (bei Speicherflaschen sprechen wir hier von 300bar), tritt bei unsachgemäßem Umgang sehr schnell ein hohes Risiko auf.

Beim Herstellen von Nitrox sprechen wir hier auch vom Umgang mit Sauerstoff mit einem Druck von 300 bar. In diesem Fall müsst Ihr definitiv sichergehen, dass Ihr wisst, was ihr macht! Nicht alleine der Druck sondern auch die Reaktionsfreudigkeit von Sauerstoff sind hier – sprichwörtlich – brandgefährlich!

Beim Mischen von Gasen muss daher auf ein sauberes Arbeiten geachtet werden. Neben dem Füllschlauch (auf Equipment werde ich im nächsten Artikel noch eingehen) muss auch die Flasche, die mit Mischgas gefüllt werden soll, sauerstoffrein sein. Das heißt, die Flasche muss frei sein von Verunreinigungen und auch die Ventile müssen mit speziellen O-Ringen versehen sein und mit einem speziellen Fett geschmiert sein, das für den Umgang mit 100% Sauerstoff geeignet ist!

Die Umgebung in der Ihr füllt muss frei sein von leicht entzündlichen oder reaktionsfreudigen Stoffen (Öl o.Ä.) sein.

Dies ist mit einer der wichtigsten Punkte beim selbst mischen von Tauchgasen!

Achtung: Dieser und folgende Artikel sind keine Anleitung, wie man Mischgase selbst herstellt! Im nicht sachgemäßen Umgang mit Gasen besteht erhebliches Verletzungsrisiko! Mischgase selbst herzustellen erfordert eine gründliche Einführung in die Materie! Ohne einen Gas-Blending-Kurs rate ich ausdrücklich davon ab, Gase selbst zu mischen! Wie geschrieben, es besteht erhebliche Verletzungsgefahr!

Wie geht die Serie weiter?

Im nächsten Artikel möchte ich Euch das benötigte Equipment vorstellen. Neben den Speicherflaschen mit Euren Grundgasen (O2, He) benötigt Ihr noch Adapter, Füllschlauch, Messgeräte etc. Im Detail wird Euch das der kommende Artikel vorstellen.

Alle Artikel der Serie “Gase selbst mischen”:

Gase selbst mischen Teil 1 – neue Serie
Gase selbst mischen Teil 2 – Einführung, Voraussetzung und Gefahren
Gase selbst mischen Teil 3 – Ausrüstung für das Füllen von Gasgemischen
Gase selbst mischen Teil 4 – Rechtlich Aspekte
Gase selbst mischen Teil 5 – Aus der Praxis

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