Tipps für Taucher

Tipps rund um das Thema "Tauchen"

Einsteigerserie: Nitrox – Nitrox in der Anfängerausbildung

| 3 Kommentare

Nachdem wir uns im letzten Artikel der Einsteigerserie: Nitrox mit weiterführenden Kursen beschäftigt haben, möchte ich heute mal der Frage nachgehen, wie sinnvoll es wäre Nitrox schon in der Anfängerausbildung einzusetzen. In den letzten Artikeln habt Ihr viel über die Vorteile von tauchen mit Nitrox erfahren. Also warum bilden die meisten Verbände Ihre Anfänger immer noch mit Luft aus. Hier ein paar Pros und Contras:

Contra

Was spricht dagegen, schon ab dem ersten Tauchgang ein Nitrox-Gemisch zu verwenden? Hier ein paar Gedanken:

  • Mehr Lernstoff: Am Anfang ist man als Tauchschüler sicherlich noch völlig von den neuen Eindrücken überwältigt. Nicht nur die Praxis, sondern auch die Theorie hält sicherlich für den Großteil viele neue Dinge bereit. Hier nun auch noch explizit auf den Sauerstoff und seine Besonderheiten einzugehen, würde einen normalen Kurs noch einmal verlängern.
  • Tiefen MÜSSEN eingehalten werden: Besonders beim Tauchen mit Nitrox ist es enorm wichtig auf seine Tauchtiefe zu achten. Es gilt hier im Rahmen der MOD (Maximum Operation Depth) zu bleiben. Gerade am Anfang fällt den Schülern das Tarieren doch schwerer. Da kann es schnell vorkommen, dass der Schüler ungewollt absackt.
  • Besondere Ausrüstung: In Deutschland und der EU ist es (eigentlich) vorgeschrieben, dass für Gasgemische mit einem erhöhten Sauerstoffgehalt, Flaschenventile mit einem M26x2 Ventil zum Einsatz kommen. Dies bedeutet, man braucht neben diesem Ventil auch spezielle Automaten, die auf diesen Anschluss passen. Wenn man nun auf einer Basis taucht, die kein Nitrox anbietet, und somit die Luftventile G5/8 bereit hält, man dort mit seinem privaten Automaten nicht weiterkommt.
  • Fehlende Gaslogistik: Auch wenn Nitrox schon weit verbreitet ist, bekommt man es in Deutschland doch noch nicht in jedem Tauchshop. Das heißt man müsste trotz Nitrox-Ausbildung mit Luft tauchen.

Das klingt ja nicht sehr viel versprechend! Mehr lernen, man muss besser auf die Tarierung achten (schon am Anfang) und dann kommen auch noch bürokratische und ausrüstungstechnische Schwierigkeiten hinzu.

Wo liegen dann überhaupt die möglichen Vorteile?


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Pro

Was spricht nun dafür direkt ab dem ersten Tauchgang in der Anfängerausbildung Nitrox zu benutzen?

  • Tiefenbeschränkung auf Grund des Gases: Wie wir wissen hat jedes Nitrox-Gemisch seine eigene MOD bzw. Tiefenbeschränkung. D.h. die Tauchschüler werden schon alleine von ihrem Gas dazu veranlasst nicht all zu tief zu tauchen. Die beliebte Aussage “zu schnell, zu tief” hätte sich damit fast von alleine ausgetrickst.
  • Verminderte Dekoproblematik: Ein Vorteil, den sicherlich jeder Nitrox-Taucher als Vorteil des Gasgemisches ansieht ist die verminderte Dekoproblematik. Dies ist somit auch ein Vorteil für die Tauchschüler, der schon von Anfang an zählt. Und gerade am Anfang kommt es schon mal vor, dass der Aufstieg etwas schneller ausfällt als gedacht.
  • Tauchanfänger werden für Gase sensibilisiert: Beim Einsatz von Nitrox-Gemischen wird der Schüler von Anfang an für das Thema Gase sensibilisiert. Wie verhalten sich die einzelnen Gase unter Druck, was wirkt wie in welcher Tiefe auf meinen Körper ein. Sicherlich ein Aspekt, der beim Tauchen sehr wichtig ist. Je mehr Hintergrundwissen hier vorhanden ist, desto durchdachter werden die neuen Taucher an die Tauchgänge herangehen.
  • Man kann im Urlaub direkt durchstarten: Sicherlich banal, aber nicht zu vernachlässigen. Man muss sich im Urlaub nicht mehr mit einem Nitrox-Tauchkurs “herumschlagen”. Man hat das Wissen und die Erfahrung und kann dann direkt mit den Spaß-Tauchgängen beginnen. Wenn nicht im Urlaub, wann und wo werden innerhalb kurzer Zeit sehr viele Tauchgänge hintereinander gemacht. Die Vorteile von Nitrox können hier direkt genutzt werden.
So viel zum Thema Pro und Contra. Was nun daraus machen?


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Umdenken?

Das waren nun jeweils 4 Vor- als auch 4 Nachteile zum Thema “Nitrox in der Anfängerausbildung”. Was dies nun für die Tauchindustrie bedeutet lässt sich schwer sagen.

Auf der einen Seite schreiben sich die Verbände auf die Fahnen eine sichere Ausbildung bieten zu wollen, auf der anderen Seite werden in einigen Verbänden immer noch tiefe Tauchgänge mit Luft ausgebildet. Bei der Einbindung des Nitrox-Themas in den Anfängertauchkurs wird dieser Kurs sicherlich länger und umfangreicher. Dafür bietet er dem Tauchschüler aber einen nicht zu unterschätzenden Mehrwert. Wobei eben auch wieder der Fall eintreten würde, dass Tauchbasen und -schulen keinen seperaten Nitrox-Kurs anbieten und abrechnen können.

Bei der Ausbildung, wie sie heute in vielen Verbänden noch angeboten wird, ist es sicherlich schwierig dieses Thema direkt von Anfang an zu lehren. Zum Großteil liegt das Hauptaugenmerk nicht auf den Trim- und Tarierfähigkeiten der Schüler sondern deren Ausbildung hin zum Überleben unter Wasser. Alles andere eignet man sich dann entweder in weiterführenden Kursen an, oder man bringt es sich selbst bei.

Eure Meinung?

Wie ist Eure Meinung zu diesem Thema? Würdet Ihr den Einsatz von Nitrox in der Anfängerausbildung begrüßen oder steht Ihr dem eher skeptisch gegenüber? Was sind Eure Erfahrungen mit Neulingen im Umgang mit Nitrox? Wann und wo habt Ihr Euren Nitrox-Schein gemacht?

3 Kommentare

  1. Es werden ja schon oft Nitroxkurse direkt mit verkauft. Das liegt ja auch nicht zuletzt daran, daß der Inhalt des Kurses zumeist als lächerlich bezeichnet werden darf. Kein ganzer Nachmittag Theorie…

    Ich denke jedoch, daß das nicht so tragisch ist, da Dein Contra aus meiner Sicht durch die Bank nur bedingt zutrifft. Der geringe Mehraufwand wurde schon von mir angedeutet.
    Dazu kommt, daß man entgegen der oft zitierten Meinung ja nicht bei einem ppO2 > 1,6 direkt vom Baum fällt. Empfehlenswert ist er natürlich nicht und auf längere Sicht riskant, aber wenn man mal absackt und wieder hoch kommt ist es zu verkraften. Wenn man dazu noch einen ppO2 von 1,2 anstrebt wäre ein Absacker vielleicht bei 1,4 was gut zu managen ist.
    Was in der EU vorgeschrieben ist, ist der Taucherbranche doch gelinde gesagt wurst. Kaum ein Mischgastaucher hat die Sauerstoffgewinde. Schon alleine Austauschbarkeit und Redundanz schließen diesen Gedanken aus. Und da der klassische Nitroxtaucher im Urlaub seine Ventile bis 40% O2 füllen darf wird er in D auch nicht dabei sterben und die meisten Shops, die Nitrox füllen sind da auch nicht kleinlich.
    Der letzte Punkt ist aus meiner Sicht vollkommen unerheblich. Luft ist immer verfügbar und dazu noch günstiger und bietet daher bei den meisten Spaßtauchgängen eine gute Alternative an.

    Aber wem schreibe ich das :-) Ich denke, daß es bei dem Thema vielmehr um Füllogistik und um das Gasmischen gehen sollte. Denn dabei kommen die wirklichen Risiken zum Tragen. Und wer weiß, was passiert wenn er die O2-Flasche anschließt und das Ventil bis zum Anschlag aufdreht, der geht an das gesamte Thema auch mit etwas mehr Respekt heran.

    VG
    Constantin

  2. @Constantin
    Alles schön und gut, was du schreibst.
    Jedoch die EU-Vorschrift zu dem Gewinde kann einer kommerziellen Tauchschule nicht egal sein, da hier gegen geltende Gesetze verstossen wird.

    Welche Ventile und Gewinde du privat verwendest, ist deine eigene Sache und interessiert keinen Menschen.
    Ich habe an meinen Flaschen generell das G5/8 Ventil, auch an der O2-Flasche. Problematisch ist nur, dass ich für eine Füllung fast 40 km (einfach!) fahren muss, da der Shop, der in meiner Gegend als einzigster Sauerstoff bzw. Nitrox füllt, auf ein M26-Gewinde besteht… keine Chance!
    VG
    darkwingdiver

  3. Moin,
    also ich umgehe das Thema indem ich zwar M26x2 Ventile habe, aber M26x2-G5/8 Adapther benutze und so meine Standard-Automaten verwenden kann.
    Somit kann ich Nitrox, aber auch normale Luft füllen (und atmen) .

    Deshalb brauche ich auch keinen Automaten mit spezieller M26x2-Anschlußwelle.
    Denke das macht auch rechtlich keine Probleme…

    Gruß
    digger

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